Sri lanka mit baby-Teil 2
24.02.2020
Auf geht´s ins Hochland !
Nach vier Nächten typischen Strandurlaub in Negombo (Teil 1 hier) zur Akklimatisierung wollten wir uns nun daran begeben, die Insel näher kennenzulernen.
Standardstation für viele Touristen ist nach Negombo die alte Königsstadt Kandy (Wikipedia-Eintrag hier).
Aufgrund unserer weiteren Reiseplanung stand allerdings die Kleinstadt Hatton auf dem Programm, ein eher verschlafenes Nest im Hochland von Sri Lanka.
Nach einem letzten ausgiebigen Frühstück in unserem Strandhotel stand also als erstes der Weiter-Transport an.
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Kleiner Exkurs zum Thema „Fortbewegung auf Sri Lanka“
Für Touristen auf Sri Lanka gibt es (neben solch tollkühnen Ideen wie der Anmietung eines eigenen TukTuks z.B. über http://www.tuktukrental.com) im Prinzip drei Optionen.
1. Bus und Bahn
Auf jeden Fall die preiswerteste Möglichkeit, sich fortzubewegen. Das Schienennetz ist gut ausgebaut, die Züge sind in einem gutem Zustand, bieten verlässlichen Transport für extrem kleines Geld und ein System von drei Wagenkategorien offeriert für jeden Geschmack etwas in Sachen Bequemlichkeit und Service.
Eine sehr hilfreiche Webseite mit allen Infos rund ums Zugfahren findet man hier.
Ergänzend zur Bahn kann man sich in jeden kleinsten Winkel mit dem Bus bewegen. Hierbei ist aber schon größere Vorsicht geboten! Nur eine vage Vermutung meinerseits, aber scheinbar werden die Busfahrer wohl nach Schnelligkeit bezahlt und müssen abgefahrene Bremsbeläge aus der eigenen Tasche bezahlen, zumindest gerieren sie sich mit ihren umgebauten amerikanischen Schulbussen wie die Könige der Landstraße, vor denen jeder auszuweichen hat.
2. Eigener Fahrer
Ein Fahrer mit eigenen Wagen fährt einen über die Insel und fungiert zugleich als Guide der einen Land und Leute zeigt (die deluxe-Variante wäre dann ein Fahrer plus ein Guide). Dieser Service kostet wohl täglich ab 50-60 Euro Euro aufwärts, so dass es vor allem für Leute interessant ist, die möglichst viel in kürzester Zeit sehen wollen.
Da wir mit unserem Junior das Land in langsamen Tempo, mit nur wenigen Stationen und dosierter Action bereisen wollten, wäre ein eigener Fahrer, der einen täglich begleitet hätte, nicht sinnvoll gewesen, so dass wir uns für Option 3 entschieden.
3. Das gute alte Taxi, welches einen auf Bestellung einfach nur von Punkt A nach B fährt.
Auch auf Sri Lanka hat der Turbokapitalismus der Neuzeit Einzug gehalten, so dass man sich einfach über diverse Apps ein Taxi bestellen und sich quer über Insel kutschieren lassen kann. Ein großer Teil des Fahrpreises landet dann aber beim Anbieter der App, so dass ich mich (Internet macht auch das möglich) im Vorfeld des Urlaubs direkt an lokale Taxi-Anbieter wendete und mich nach einem Fahrpreis erkundigte.
Dabei fand ich in „Ella Taxi Cylon“ genau das richtige Unternehmen: Hatte ich hier ursprünglich nur einen Transport ab Ella (unserer 3. Station im Lande) angefragt, so bot mir der Besitzer Asanka schnell, enthusiastisch und äußerst preiswert Fahrten für alle Strecken an, die wir im Rahmen unseres Urlaubs unternehmen wollten.
Um es vorweg zu nehmen: Wir wurden nicht enttäuscht – alles klappte reibungslos, Asanka schickte uns stets nette Fahrer mit sicheren Autos – perfekt!
Insofern kann ich ihn an dieser Stelle nur weiterempfehlen: Wer auf Sri Lanka einen Transport sucht – einfach eine WhattsApp an +94 76 130 03 09. Asanka wird sich bestimmt freuen und schnell antworten …
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Abfahrt aus Negombo:
Der Taxi-Unternehmen unseres Vertrauens hatte uns einen Fahrer mit einem fast nagelneuen Honda Prius mit Hybrid-Antrieb geschickt – nicht der größte Wagen der Insel, aber abgesehen von meiner Sporttasche, die wir in der Mitte der Rückbank platzierten, passte unser gesamtes Gepäck in den Kofferraum und es konnte losgehen.
Nach etwas Stadtverkehr und Zwischenstopp im großen Supermarkt ging es dann auch über die Landstraße Richtung Hochland – spätestens hier war dann unser Junior in seinem Maxi-Cosi auf der Rückbank eingeschlafen und man konnte bereits etwas die grüne, immer bergiger werdende Landschaft genießen.
Autobahnen gibt es auf Sri Lanka eher spärlich (wir fuhren in unseren fast vier Wochen auf keiner einzigen), so dass es auf gut aspahltierter, aber kurviger Strecke mit knapp 25-30 km/h ins Hochland ging.
Nach 2 Stunden forderte unser Junior dann eine längere Pause ein und auch danach musste man sich wieder intensiv während der Fahrt mit ihm beschäftigen.
So ging es weiter durch die Berglandschaft, u.a. auch durch Kithulgala, dem Hotspot zum Wildwasser-Rafting (Tipp für Reisende ohne Baby …), und irgendwann schlief der Junior wieder ein, so dass wir nach 3,5 Stunden unser Ziel erreichten:
Das Hotel „Tea Hills Bungalow“ in Hatton.
Recht abseits am Rande des Ortes gelegen logierten wir hier im Vergleich zu Negombo zwar etwas rustikal, aber idyllisch direkt an den Teeplantagen und den für das Hochland typischen Felsformationen.

In der 2. Etage des Gebäudes hatten wir ein riesiges Zimmer mit großem Bad. Direkt angrenzend ein großer Aufenthaltsraum mit Balkon – Flächen, die uns im Prinzip ebenfalls quasi exklusiv zur Verfügung standen, da wir die einzigen Gäste auf der Etage waren, die mehrere Nächte blieben (Gäste der anderen, nur zeitweilig belegten drei Zimmer der Etage erblickten wir wenn überhaupt mal morgens nach dem Frühstück).
Also genug Platz um uns auszubreiten und unser Junior konnte so weiter daran arbeiten, seine ersten Krabbelversuche zu verfeinern.
Nachdem wir uns häuslich im Zimmer eingerichtet hatten, genossen wir also bei warmen Temperaturen von weit über 20 Grad die klare Bergluft auf dem Balkon (nach der tendenziellen Hitze am Strand eine willkommene Abwechslung) und machten uns dann am Abend in den Ort zum Abendessen auf.
In der „Railway Lodge“ fanden wir schließlich auch eine sehr gutes Restaurant, welches für knapp 5 Euro pro Person eine riesige Curry-Auswahl auftischte und auch unseren Junior mit seinen üblichen Kartoffelbrei vermischt mit Möhren optimal sättigen konnte – absolut empfehlenswert!
Am nächsten Tag stand dann unser erster Ausflug in die Gegend rund um Hatton an. Mit einem TukTuk ging es für ein paar Euro innerhalb von ein paar Minuten zu einer kleinen Kirche.
Dort ließen wir uns absetzen und gingen von dort durch die Teeplantagen zum nahe gelegenen See. Eigentlich wollten wir dort eine Boots-Tour machen , was aber leider daran scheiterte, dass man diese wohl bereits im Vorfeld organisieren muss und es keinen öffentlichen Bootsverkehr gab (wovon ich eigentlich ausgegangen war).


So blieb es bei einem längeren Spaziergang am See entlang und schließlich ging es mit einem TukTuk wieder zurück nach Hatton (egal wie entlegen der Winkel des Landes: Mit etwas Geduld taucht irgendwann ein TukTuk auf, dessen Fahrer einen voller Freude für ein paar Rupie dahin transportiert, wohin man will).
Eingedeckt mit etwas Streetfood (stilecht eingewickelt in alten Prüfungsaufgaben) ging es dann wieder zum Relaxen auf den Balkon.
An Tag 3 in Hatton war dann zunächst wieder Entspannung auf dem Balkon bzw. im Aufenthaltsraum angesagt, bevor es nach der Mittagshitze zu einem kleinen Ausflug mit einem vom Hotel organisierten TukTuk ging: Zunächst stand der Besuch einer Tee-Fabrik auf dem Programm,
danach die beiden Wasserfälle rund um Hatton, so dass wir nach einer gemütlichen Rundfahrt am späten Nachmittag wieder am Hotel waren.
So lagen nun zwei volle Tage in Hatton hinter uns mit kleinen Ausflügen, wohldosiert in Anbetracht unseres Juniors und dessen Wohlbefinden.
In unserer dritten Nacht stand dann für mich das Highlight auf dem Programm, wofür im Prinzip die meisten der Touristen, die in Hatton landen, dieses Nest als Basis nutzen:
Die Besteigung vom Adam´s Peak!
Dieser über 2.200m hohe Berg beherbergt auf seinem Gipfel eine Pilgerstätte, in der ein Fußabdruck Buddahs zu sehen ist.
Bemerkenswert: Je nach Religion ist dies auch wahlweise der Fußabdruck von Shiva, Mohammed oder Adam, so dass quasi jede Weltreligion ihren Anspruch auf die Heiligkeit dieses Ortes erhebt – im Gegensatz zu anderen Gegenden dieser Welt scheint dies auf diesem Berg in Sri Lanka relativ friedlich zu klappen.
Ca. 5.000 Treppen-Stufen führen zum Gipfel. Einheimische machen aus der Besteigung eine teilweise mehrtägige Pilgertour (jeder gläubige Sri Lanker hat im Leben mindestens einmal diesen Berg zu besteigen), für Touristen wird die mehrstündige Besteigung zum Sonnenaufgang empfohlen. Dies hat neben dem malerischen Blick zur Morgenstunde den Vorteil, dass man sich diese Tortur in der kühlen Nacht und nicht in der ungemütlichen Tageshitze antut …
Aus wohl nachvollziehbaren Gründen machte ich mich nach Mitternacht alleine auf, dieses Projekt zu bewältigen und ließ Frau und Junior weiter schlummern.
Mein erster Weg führte mich zum Bahnhof von Hatton, wo nach Ankunft des Nachtzugs um ca. 1.30 Uhr ein Bus zum Ort am Fuße des Adam´s Peak starten sollte.
Da ich mir unsicher war, wie lange der Bus brauchen würde und ich mit dem Ziel Sonnenaufgang eh schon knapp dran war, kaperte ich das nächstbeste TukTuk (wie bereits geschrieben … einfach nur ein paar Minuten warten …) und ließ mich für 10 Euro eine Stunde durch die Nacht zum Fuße des Adams Peak bringen.
Mein Fahrer brachte mich direkt zum Anfang der Pilgerstrecke, unschwer zu erkennen an den Verkaufsbuden, die sich fortan wo immer baulich möglich entlang der Strecke aufreihten.

Um ca. 2.15 Uhr startete ich meinen Aufstieg. Bei einem terminierten Sonnenaufgang um ca. 5.40 Uhr blieb nicht mehr so viel Zeit, was auch der Grund war, dass angenehm wenig Verkehr in Form anderer Personen vor mir lag. Die meisten Verkaufsbuden waren schon/ noch geschlossen, nur aus einigen kam ganz leise religiöse Musik und alle Personen verhielten sich aus Respekt vor dem Ort sowie der notwendigen eigene
n körperlichen Leistung weitesgehend
leise, so dass eine sehr feierliche, ruhige Stimmung herrschte.
Am Anfang hatte der breite Pfad noch starke Ähnlichkeit mit einem normalen Spazierweg, nur ab und an gab es ein paar Treppenstufen, manchmal ging es sogar auch wieder ein paar Meter abwärts. Irgendwann wurde es aber naturgemäß immer steiler und der Weg begann, fast ausschließlich aus Treppenstufen zu bestehen. Diese darf man sich nicht als normale Stufen vorstellen, die man von zuhause aus kennt – auf vielfältige Art und Weise in den Berg gebaut hat man mal flache, hohe, große, kleine, breite Stufen zu bewältigen – es galt also stets aufzupassen, wohin und wie man seinen Fuß setzte. Der Weg ist zwar gut ausgeleuchtet (die im manchen Führer empfohlenen Taschenlampen sind während der Pilgersaison nun wirklich nicht notwendig), aber rundum ist noch tiefe Nacht, so dass man den Gipfel und die Umgebung neben dem Pfad/ hinter den Verkaufsbuden wenn überhaupt nur erahnen kann – eine sehr schöne, ganz besondere Atmosphäre.
Ich genoss diese ganz spezielle Umgebung und kam gut voran dank des geringen Verkehrs und einer halbwegs vorhandenen Fitness. Dass diese notwendig war machten mir die Personen deutlich, die mir entgegen kamen und mit Ihren Gang teilweise an prominente Nebendarsteller von „Walking Dead“ erinnerten.
Je näher ich dem Gipfel kam, desto voller wurde der Pfad und ich gewann den Eindruck, dass wirklich JEDER diesen Berg erklimmen wollte (oder dies mir entgegen-kommend bereits getan hatte). Von ganzen Familien mit Ihren Kleinkindern bis hin zu gebrechlichen Alten, die gefühlt eine halbe Minute für jede Treppenstufe brauchten.
Nach ca. 2:15 Stunden hatte ich den Punkt vor dem Gipfel erreicht, in dem es wirklich nur noch im langsamsten Schnecken-Tempo voran ging. Der Weg war nun getrennt durch Geländer in zwei Hälften geteilt. Auf jeder Hälfte konnten zwei Personen nebeneinander gehen, einige benutzten sowohl Außen- als auch Mittel-Geländer zur Stütze, um überhaupt noch vorwärts zu kommen … was zwangsläufig zu diversen Staus führte. An großen Feiertagen (unbedingt Vollmond-Nächte vermeiden!) geht hier wohl stundenlang so gut wie gar nichts mehr vorwärts aufgrund des Andrangs. Einen solchen totalen Stillstand hatte ich dann allerdings zum Glück nicht, so dass ich um kurz vor 5 Uhr tatsächlich die Tempelanlage auf dem Gipfel erreichte.
Mit etwas Glück konnte ich mich noch auf einen letzten freien Flecken mit guter Aussicht stellen und harrte dort bis zum Sonnenaufgang aus (um einen Blick auf den Fußabdruck zu erhaschen blieb mir leider zeitbedingt keine Möglichkeit mehr … an der heiligen Stelle ist aber wohl auch eher ein Fußabdruck nur zu erahnen als wirklich klar zu erkennen …).
Zur Beschreibung des Sonnenaufgangs lasse ich mal lieber die Bilder sprechen … nach der ganzen körperlichen Anstrengung natürlich schon ein erhabenes Erlebnis, wie die Dunkelheit langsam der Helligkeit weicht und man endlich richtig erkennen kann, was man da überhaupt die letzten Stunden geschafft hat. Endlich wird der Blick frei auf die Weite der Berglandschaft und schließlich strahlt die Sonne ihr gleißendes Licht über die Bergkuppen.
Somit hieß es nach Sonnenaufgang dann aber auch wieder, die knapp 5.000 Treppenstufen hinunter zu steigen – eine Aufgabe, die sich leider nicht wirklich weniger anstrengend als der Aufstieg darstellte und Knie und Gelenke doch schon vor eine ordentliche Herausforderung stellte.


Der Blick ins Tal entschädigte zwar für die Mühen, trotzdem war ich froh, schlussendlich wieder an meinen Ausgangspunkt zu gelangen, insbesondere da auch die Temperaturen bereits in diesen Morgenstunden schnell anstiegen (und einen Tagesaufstieg bei wolkenlosen Himmel definitiv nicht empfehlenswert machen).


Wie abgesprochen wartete auch mein TukTuk-Fahrer vom Hinweg wieder auf mich, der sich freute, mich für 10 Euro (plus Trinkgeld) nach Hatton zu bringen.
Zurück im Hotel um 9.30 Uhr erwischte ich gerade noch meine Familie beim Frühstück, konnte mich entsprechend stärken, um nach kurzer Erzählung meiner letzten Nacht etwas ausgelaugt ins Bett zu fallen …
Nach zwei Stunden Schlaf weckte mich der Junior und ich war wieder halbwegs auf dem Damm. Nach der Mittagshitze starteten wir dann zusammen unseren letzten Ausflug in Hatton und gingen vom Hotel aus einfach in die umliegenden Teeplantagen. Die unausgebaute Straße wurde nach kurzer Zeit zum Trampelpfad und wir befanden uns inmitten lauschiger Natur und hatten einen knapp zwei-stündigen entspannten Spaziergang durch die Hügellandschaft. Nicht ganz vergleichbar mit dem Adams Peak, trotzdem schön, vor allem natürlich, weil ich jetzt wieder zusammen mit meiner Familie unterwegs war.
Am letzten Abend genossen wir dann nach drei Abendessen in der „Railway Lodge“ das Dinner in unserem Hotel (genug bewegt an diesem Tag) , welches sich ebenfalls als hervorragend herausstellte. So fand unser Aufenthalt in Hatton anschließend mit der letzten letzten, vierten Übernachtung ihr entspanntes Ende.
Am nächsten Morgen ging es weiter – per Zug nach Ella!
Fortsetzung hier.

















